Analog FOTOGRAFIEREN von Florian Hasubick

Buchtitel

Foto: Rheinwerk Verlag

Der Titel des Buche machte mich neugierig, da ich meine ersten Fotografie-Erfahrungen bereits mit analoger Technik machen durfte. Immer wieder hört oder liest man, dass die Digitalfotografie die Zukunft wäre und sich die Analog-Fotografie überholt hat. Wohl auch deshalb hat der Autor im Untertitel „Alte“ Technik neu entdecken die „Gänsefüßchen“ für alt gewählt. In seiner Einleitung verspricht er eine Reise, die Lust machen soll, die Kamera einzupacken und loszuziehen, um eine eigene Handschrift zu entwickeln – natürlich mit analoger Kamera. Ich ließ mich gern auf das Abenteuer ein. Das Buch ist sehr unterhaltsam geschrieben und vermittelt Wissen und Erfahrungen fast wie nebenbei.

In den ersten Kapiteln geht er ausführlich auf die Technik ein. Kameratypen und mögliche Objektive werden detailliert vorgestellt, um dem Leser oder der Leserin die Auswahl und Beschaffung der richtigen Kamera zu erleichtern. Sogar ein eigener Abschnitt zum richtigen Einlegen des Films für den Analog-Anfänger wird hier spendiert. Er stellt die gängigsten Filme mit ihren Charakteristiken vor und beschreibt genau, worauf es bei der Belichtung des Films ankommt. Auch „pushen“ und „pullen“ (das heißt absichtlich fehlerhafte Belichtung des Films und das notwendige Ausgleichen durch spezielle Entwicklungstechniken) werden erläutert.

Nach den Technik-Kapiteln folgen drei allgemeingültige Kapitel zur Fotografie. In den Bereichen Bildkomposition, den fotografischen Genres Landschafts-, Street-, und Porträtfotografie werden Tipps und Informationen gegeben, die auch für die Anhänger der digitalen Fotografie von Nutzen sein können, aber besonders mit dem Blick auf die analoge Fotografie spezifiziert werden. Immer wieder betont der Autor die Entschleunigung durch das Analoge, die Konzentration auf den Augenblick und das bewusste Beobachten und Erleben des Lichts, des Moments, um zum richtigen Zeitpunkt den Auslöser zu drücken. Es müssen nicht 40 oder mehr Bilder pro Sekunde gemacht werden, um in der Landschaftsfotografie zum Beispiel die besondere Lichtstimmung einzufangen. Ein Bild zum richtigen Moment reicht vollkommen aus. Viele Bildbeispiele unterstützen die Aussagen zur Anwendung bestimmter Fototechniken und Filmmaterialien in besonderen Aufnahmesituationen. Die gewählten Bildbeispiele unterstrichen die Ausführungen im Text sehr gut. Immer wieder lässt er seine Erfahrungen zu Filmauswahl und -anwendung in verschiedenen Fotosituationen in die Texte einfließen und begründete diese Auswahl. Leider war der Druck einiger Bilder in meinem Exemplar des Buches manchmal nicht ganz klar, so dass ich die Details, die aus der seitlichen Erläuterung hervor gingen, nur schwer erkennen konnte.
Viele Tipps vermittelt das Kapitel Motivation und Einbindung der Fotografie in den Alltag, die ich für mich mitnehme, auch wenn ich (noch) digital fotografierend unterwegs bin.
Auch das Kapitel „Das zweite Leben der Bilder“, das sich mit dem Digitalisieren, Archivieren und Ordnen der Bilder beschäftigt, ist nicht ausschließlich für analoge Fotografie gültig, sondern gibt auch dem Digitalfotografen Tipps und Hinweise. Nach der Digitalisierung des analogen Filmergebnisses eröffnen sich alle modernen Möglichkeiten der Bildverwaltung, -recherche, -suche und -sicherung. Auch die digitale Nachbearbeitung ist möglich, die vom Autor aber nur sehr begrenzt eingesetzt wird, um das Ergebnis des analog aufgenommenen Bildes nicht zu verfälschen, wogegen er die digitale Sicherung der Dateien ausführlich beschreibt und empfiehlt.

Besonders spannend fand ich den Abschnitt zur Dunkelkammerarbeit.
Wer einmal gesehen hat, wie ein Bild im Entwicklerbad entsteht, wird die Magie diese Arbeit nie vergessen. Für mich war das früher immer der Höhepunkt der analogen Bilderzeugung. Hier spielt sich der Hauptteil der analogen Bildbearbeitung ab. Die Beschreibung des analogen Workflows ist sehr gut gelungen und zeigt auch, dass die heutigen Bearbeitung der digitalen Bilder mit gängigen Bearbeitungsprogrammen schon auf den Techniken der analogen Dunkelkammerarbeit basiert.
Die Interviews mit der Analogfotografin und den drei Analogfotografen ergänzen die Ausführungen des Autors sehr gut und verweisen zusätzlich auf das Thema Nachhaltigkeit.
Nach der Lektüre des Buches habe ich wirklich Lust bekommen, die alte Kamera „auszumotten“ und mal wieder analog zu fotografieren.
Jungen Leuten, die Lust haben, sich in die Analog-Fotografie einzuarbeiten und so einzigartige Bilder zu schaffen, die sich vom Mainstream abheben und Unikate sind, sei dieses Buch ausdrücklich ans Herz gelegt, aber auch „alte Analog-Hasen“ werden ihre Freude an der Lektüre haben und sich in ihren Erfahrungen bestätigt fühlen sowie neue Tipps und Anregungen finden.

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